Übermut tut selten gut

Laut Google sollte die Fahrt von Medellin nach Cali über 8 Stunden dauern. Also standen wir schon früh morgens um 6 Uhr auf und machten uns auf den Weg. Eigentlich wollten wir die Panamericana nehmen, jedoch bog Carmen falsch ab und wir fanden uns auf einer wunderschönen, kurvigen Bergstraße wieder. Dieselbe Straße, die wir nachts mit dem LKW nach Medellin gefahren waren, nur dass wir dieses Mal etwas schneller unterwegs waren. 😉 Zwischendrin machten wir einen Stop in unserem alten Hotel in Supia, um uns um das zweite Set Ersatzteile aus Kalifornien zu kümmern. Nach dieser kleinen Pause und ein paar weiteren schönen Kilometern in den Bergen kamen wir nachmittags in Cali an. Wir übernachteten im Hostel Casa Blanca, dessen Besitzer auch ein begeisterter Biker ist und in dem schon viele Motorradreisende untergekommen sind. Hier trafen wir auch zufällig auf Jesper, den wir bereits von der Überfahrt auf der Stahlratte kannten. Wir verbrachten den Abend mit ihm zusammen bei chinesischem Essen und Wein.

Da wir bereits länger als geplant in Kolumbien waren, wollten wir relativ schnell nach Ecuador weiterreisen. Einen Zwischenstop machten wir noch in Pasto, bevor wir heute morgen zur Grenze nach Ecuador aufbrachen. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir die Kirche Las Lajas in der Nähe von Ipiales, die auf einer Brücke über einer Schlucht gebaut wurde.

Bis zur Grenze waren es dann nur noch ein paar Kilomter. Die Einreise von Kolumbien nach Ecuador war ziemlich einfach, hat aber aufgrund des Andrangs dennoch 2 Stunden gedauert. Mit dem Stempel im Pass und den temporären Importpapieren in der Hand fuhren wir weiter auf der Panamericana, jedoch nur für ein paar Kilometer. Dann wählten wir eine Offroadpiste ins Hinterland Richtung El Angel. Die Piste bestand zum großen Teil aus Steinen und Dreck. Zwischendrin war sie jedoch auch etwas aufgeweicht und schlammig. Die Fahrt hat sehr viel Spaß gemacht, jedoch hatten es die schlammigen Stücke in sich. Daher liess auch jeder von uns mal sein Bike fallen. Carmen’s Stürze waren relativ unspektakulär, jedoch wurde der rechte Blinker und ihr Tankrucksack in Mitleidenschaft gezogen.

In einer schlammigen Kurve beschloss Micha, sein Bike in einem Graben zu parken und konnte es unglücklicherweise auch nicht aus eigener Kraft wieder rausziehen. Leider hat Carmen von diesem Mißgeschick nichts mitbekommen und fuhr munter weiter. Erst bei einem Fotostop bemerkte sie ihren fehlenden Mitfahrer. Bei dem Versuch umzudrehen und zurück zu fahren, legte sie ihr Motorrad auf die Seite und war auch nicht in der Lage, es alleine aufzuheben. In der Zwischenzeit hatte sich Micha die Seele aus dem Leib geschrien, aber ohne Erfolg. So machte er sich zu Fuß auf den Weg in Carmen’s Richtung. Carmen machte sich ihrerseits auch zu Fuß auf den Rückweg und so trafen wir uns dann in der Mitte. Zuerst stellten wir Carmen’s Motorrad wieder auf und fuhren bzw. liefen zurück zu Michas Maschine.

Wir versuchten das Motorrad zu zweit mit reiner Muskelkraft aus dem Graben zu ziehen, jedoch erfolglos. Danach banden wir Carmen’s Motorrad mit einem Seil an Micha’s Bike, doch das Seil riss. Alle guten Dinge sind drei: Dieses Mal benutzten wir die „Rock Straps“ Gepäckgurte zwischen den Bikes und es gelang uns tatsächlich Micha’s Motorrad zur Hälfte aus dem Graben zu ziehen, bevor dann auch die Rock Straps rissen. Glücklicherweise schafften wir das letzte Stück per Hand und wir konnten unsere Fahrt durch die beeindruckende Landschaft nach El Angel fortsetzen.

Ab El Angel bogen wir wieder auf die Panamericana, um weiter Richtung Otavalo zu fahren. Eigentlich hatten wir geplant, dort zu übernachten. Da es jedoch mittlerweile recht spät war, beschlossen wir im Valle de Chota in einem Hotel nahe der Panamericana zu übernachten.

Beitrag von: michasifi und carmen.on.the.road
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2 Antworten

  1. Was ne Geschichte, ich versuch mir grad bildlich vorzustellen, wie ihr beide auf Schusters Rappen aufeinander zulauft und welchen Gesichtsausdruck ihr dabei wohl gemacht habt 🙂

    November 28, 2012 um 8:32 am

  2. carmen.on.the.road

    Mir war nur ein wenig unbehaglich, da ich nicht wusste, ob Micha verletzt war. Das wäre äusserst übel gewesen in dieser menschenleeren Gegend. BIs zum nächsten Dorf waren es noch 16km. Aber ist ja alles gut gegangen…

    November 29, 2012 um 1:50 am

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