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Michas Fazit nach 1 Monat und 10.000 km

Schon ist ein Monat vergangen, wir sind bereits über 10.000 km gefahren und obwohl sich die Reise für mich eigentlich immer noch ein kleines bisschen wie Urlaub anfühlt, möchte ich auch doch ein erstes kleines Zwischenfazit ziehen, denn inzwischen beginnt sich doch das Urlaubsgefühlt langsam zu verflüchtigen und es wird mir langsam klar, dass es sich um mehr als einen Urlaub handelt.

Fangen wir mit den kühlen Fakten an. 10.000 km in einem Monat oder 30 Tagen… Das macht einen doch ganz sportlichen Schnitt von 333,33 km pro Tag. Klingt jetzt nicht viel, aber wenn man bedenkt, dass wir zum Beispiel die letzten 4 Tage bereits in Calgary verweilen und auch an anderen Orten mal länger als eine Nacht geblieben sind, ist es doch auch nicht wenig. Dieser doch ziemlich hohe Schnitt ergab sich durch unseren Entschluss zuerst möglichst schnell zum Startpunkt ( den Polarkreis ) zu kommen und dann auch irgendwie möglichst schnell durch Kanada zu reisen, da hier sowohl Übernachtungen als auch Lebensmittel, eigentlich alles ;-), ziemlich teuer ist. Na gut, der Sprit ist inzwischen mit $ 1,12 ( kanadische Dollar = 0,91 € ) ziemlich günstig.

Kommen wir zum nächsten und dem vielleicht ernüchternstem Fakt ;-): Dem lieben Geld. In diesem einen Monat, habe ich – soweit ich meiner tollen Finanzverfolgungsapp trauen kann – bereits etwa 3.000 Euro ausgegeben, das sind etwa 100 Euro pro Tag. Jetzt könnte man meinen, ich lebe hier wie die Made im Speck, aber in Wahrheit versuchen wir an Übernachtungen und Essen zu sparen wie es nur geht. Stattdessen ging ein Großteil des Geldes bei mir für das Motorrad drauf ( 28 % ). Da drin enthalten sind so vermeidbare Sachen wie die defekten Stoßdämpfersimmerringe ( Carmen war hier schlauer und hat bereits vorher entsprechende Schützer montiert, ich hielt es für nicht notwendig… Sehr gute Entscheidung 😉 ) oder die extrem teuren Reifen in Kanada ( mehr als das doppelte wie in Deutschland ). Benzin ist der zweite große Faktor, aber bei so einer Art von Reise nur schwer vermeidbar. 😉 Der dritte Faktor ist bereits Ausrüstung. Inzwischen habe ich mir gegen die Hitze eine (teure) Motorradjeanshose gekauft und anderes. Naja, ich hoffe ja, dass es von jetzt an deutlich billiger wird, aber wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. 😉

Kommen wir von harten Fakten zu den eher weicheren Kriterien. Wie fühlt sich denn so ein Leben „on the road“ an? Eigentlich ist es etwas vermessen, das jetzt nach einem Monat bereits zu beurteilen, aber ich versuche es trotzdem, alleine schon, um eventuelle langfristige Veränderungen an diesem „Gefühl“ feststellen zu können. Bis jetzt finde ich: Prima! 🙂 Ok, das ist etwas zu kurz gefasst. …und es gibt natürlich gute und schlechte Tage, aber es macht mir riesig Spaß mit dem Motorrad die wirklich malerischen Landschaften hier zu erkunden, ab und zu mal kurz zu verweilen und auch die Leute hier kennen zu lernen. Letzteres fällt mit dem Motorrad wirklich einfacher als sonst. Überall sprechen uns die Leute an, bieten uns Hilfe jeglicher Art an, geben uns stellenweise sogar Essen aus oder zeigen uns ihr Zuhause. Einfach toll… …und dann sag nochmal einer die Amerikaner ( oder Kanadier ) seien oberflächlich. Das kann ich bis jetzt nicht bestätigen.

Die Leute haben mich bis jetzt sogar mehr beeindruckt als die eigentlich schon unglaubliche Landschaft und das für uns Europäer fast exotische Tierleben. Trotzdem kann ich auch eine kurze Reise nach Alaska oder auch Kanada nur empfehlen. Die Nationalparks in Kanada und Alaska ( Denali, Jasper, Banff ) sind beeindruckend. Die Einsamkeit zwischen den Orten vermittelt einen krassen Gegensatz zum dicht besiedelten Europa. …und die Tierwelt ist selbst für mich als nicht gerade dem super Tierinteressierten atemberaubend. Inzwischen haben wir Schwarzbären, Wale, Seeottern, Elche, sogar Grizzlybären und vieles mehr in freier Wildbahn gesehen. Manches war näher als uns lieb ist. 😉

Zu guter Letzt lernt man auf so einer Reise auch viel über sich selbst, auch wenn man glaubt, sich durch das eher – ähm – „mittlere“ Alter 😉 schon sehr gut zu kennen. Man erfährt mehr über seine Schwächen und auch Stärken ( an schlechten Tagen eher letzteres 😉 ) und bereits jetzt nach nur einem Monat relativiert sich viel, was am Anfang wichtig oder problematisch erschien. Dreck an den Fingern? Wen kümmert’s. Gel in den Haaren? Was ist das? Kontaktlinsen? Nie gehört. 😉 …und vielleicht werde ich sogar etwas entspannter. Zu Beginn waren zwei Stunden Fahrt bei Kälte und Regen noch nervenaufreibend, später fuhren wir einen ganzen Tag nur durch Regen, Nebel und wir waren total durchgefroren. Aber ein heisser Kaffee kann dann schon reichen, um die Laune wieder zu bessern. Überhaupt werden bereits jetzt die Grundbedürfnisse wichtiger als anderes: Schlafen, Essen, Toilette, Benzin. Na gut, irgendwann kommt dann auch noch Strom, Wifi und Bier, aber vielleicht ändert sich das auch noch… 😉

Beitrag von: michasifi
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Einen Monat und 10.000 km unterwegs

Wir sind heute seit genau einem Monat unterwegs oder anders ausgedrückt sind wir die ersten 10.000 km unserer Panamericana-Tour bereits gefahren. Noch fühlt sich alles an wie ein langer Urlaub und ich habe immer noch nicht ganz realisiert, dass ich noch weitere 10 Monate unterwegs sein werde. Urlaub ist allerdings das falsche Wort – es ist eher eine Reise, die zugegebenerweise bisher recht anstrengend war. Die langen Tage auf dem Motorrad und Camping bei fast jedem Wetter erforderten schon eine Umgewöhnung zu dem bequemen Leben zuhause in Deutschland. Aber die tollen Erlebnisse, die beeindruckende Landschaft und die netten Bekanntschaften lassen dies alles vergessen. Es ist einfach klasse drauf los zu fahren, ohne zu wissen, wie weit man an dem Tag kommt, wo man übernachten kann, wen man alles  trifft oder was sonst noch so passieren wird. Immer nach dem Motto „Es wird schon gut werden“ und „Es gibt für alles eine Lösung“ 🙂

Eines der Highlights auf der bisherigen Tour war für mich die Fahrt auf dem unbefestigten Dalton Highway unter der Mitternachtssonne. Wir fuhren bis Nachts 1Uhr auf der Schotterpiste bis wir komplett fertig in unsere Zelte fielen. Die Sonne stand während der Fahrt in Richtung Norden so tief und schien uns direkt in die Augen, dass wir die Strasse nur noch erahnen konnten. Die entgegenkommenden Trucks, die die Piste in Staubwolken einhüllten, machten die Fahrt nicht wirklich einfacher. Das Ganze war ziehmlich abenteuerlich und wirkte sehr surreal.

Tiefpunkte gab es bisher natürlich auch, zum Glück aber nur wenige. Einer davon war das komplett misslungene Abendessen nach einem langen, anstrengenden Bike-Tag. Es gab Nudeln mit „selbstgemachter“ bzw. „selbst warmgemachter“ 🙂 Dosenlachs-Souce. Unglücklicherweise war der Dosenlachs komplett mit Haut und Knochen versetzt. Ungenießbar! Zum Glück hatten wir noch ein paar trockene Bagels dabei…

Die nächsten 10.000 km werden wir nun etwas langsamer weiter reisen. Wir werden demnächst die Grenze zur USA überqueren und in den Lower 48s einige Zeit in den Nationalparks verbringen. Ich freu mich schon riesig auf diesen Abschnitt unserer Tour!

Beitrag von: carmen.on.the.road